Paul Goesch

1885 - 1940

  • Muttergottes mit Schwert im Herzen, Mischtechnik auf Papier, 16,4 x 19,3 cm
  • ohne Titel, Tusche auf Papier, 20,7 x 16,2 cm
  • ohne Titel, Tusche auf Papier, 20,8 x 14,5 cm
  • ohne Titel, Mischtechnik auf Papier, 32,8 x 20,9 cm

Paul Goesch wird 1885 in Schwerin geboren. Seine Kindheit und Schulzeit verbringt Goesch in Berlin und Berlin-Friedenau. Schon früh, mit nur 15 Jahren, wendet sich Goesch der zeitgenössischen, symbolistischen Kunst und Dichtung zu und fängt an zu malen. Er zeigt ein starkes Interesse an der Religion und den Glaubensgrundsätzen der katholischen Lehre. Von 1903 bis 1910 studiert er Architektur an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Im Jahr 1908 schafft er die komplette Ausmalung einer Halle in Dresden-Laubegast. Sechs Jahre später legt er in Berlin das 2. Staatsexamen zum Regierungsbaumeister ab. Während seiner Studienzeit beginnt er sich mit den damals heftig diskutierten, neuen Wissenschaften der Psychoanalyse und Theosophie bzw. Anthroposophie auseinanderzusetzen. Er pflegt guten Kontakt zu seinem Bruder Heinrich, dessen Frau und ihrer Cousine, der Künstlerin Käthe Kollwitz in Berlin. Außerdem lernt er bei dem Psychoanalytiker Otto Gross, seinerseits Schüler von Sigmund Freud und C.G. Jung, sowie bei Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Als Anhänger der anthroposophischen Bewegung ist er außerdem am Bau des nach Steiners Plänen errichteten Goetheaneum in Dornach bei Basel beteiligt. Aus den Grundsätzen der verschiedenen Lehren entwickelte Paul Goesch einen ethischen und sozialen Anspruch, den er mit der Ausübung seiner Tätigkeit als Künstler und Architekt verbindet.

In den Jahren des ersten Weltkriegs 1915 bis 1917 ist er im Postdienst in Kulm (Ostpreußen, heutiges Chelmo, Polen) beschäftigt. Um 1920 lebt er bei seinem Vater in Berlin, dort folgen erste Ausstellungsbeteiligungen mit Architekturentwürfen und farbigen Zeichnungen. Er verkehrt in Künstlerkreisen und wird Mitglied der „Novembergruppe“ und des „Arbeitsrats für Kunst“.

Paul Goesch erleidet eine psychische Krise und hält sich mehrmals über längere Zeiträume in Kliniken auf, sodass er seinen Beruf als Architekt nicht mehr ausüben kann.
Seine künstlerisch bedeutende Werke entstehen zwischen 1918 und 1922/23. Stilistisch kann man sowohl den architektonischen, als auch den malerischen Teil seiner Arbeiten dem späteren Expressionismus zuordnen.

Sie zeigen mythologische und religiöse Motive verschiedenen kulturellen Ursprungs, aber auch einfache Alltagsszenen, denen er einen symbolhaften, kosmischen Ausdruck verleiht. In seinen Bildern kombiniert Goesch meist Frauengestalten, die er durch farbige Flächen gliedert und ohne definierte Gesichtszüge nur in ihren Umrissen zeigt. Goeschs frühe Arbeiten sind spielerisch farbenfroh, hell und leicht, fast pointilistisch.

Anfang der 1920er Jahre zieht sich Goesch nach Göttingen zurück, wo seine Schwester Lili lebt und der Schwager als Psychiater und Leiter der Provinzial-Erziehungsanstalt Göttingen (heute Justizvollzugsanstalt Göttingen) arbeitet. Goesch wird Patient dort. 1935 wird er in die Anstalt von Teupitz in Brandenburg verlegt. Nach dem NS-Kunstverständnis werden seine Werke als “Entartete Kunst” eingestuft und beschlagnahmt. Im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms fällt Paul Goesch der gezielten Ermordung von über 100.000 psychisch kranken und behinderten Menschen zum Opfer. Am 22. August 1940 wird er in der Psychiatrischen Klinik Brandenburg ermordet.

Paul Goesch hinterlässt ein vielschichtiges künstlerisches Werk von über 2000 Arbeiten. Der Werkbestand umfasst Zeichnungen, Skizzen und farbige Gouachen, außerdem ein Wandgemälde (Göttingen, vermutlich 1920) und Raumausmalungen (Dresden-Laubegast 1908; Berlin-Schöneberg 1920/1921, zerstört). Seine Architekturentwürfe sind nicht ausgeführt worden; eine konzeptionelle Beteiligung an Projekten anderer Architekten ist jedoch nicht auszuschließen.

Arbeiten von Goesch befinden sich in mehreren Museen, so in Deutschland z.B. in der Akademie der Künste und in der Berlinischen Galerie, aber auch außerhalb Deutschlands, hier v.a. im Centre canadien d'architecture in Montréal, Kanada.

Paul Goesch zählt zu den Künstlern der Prinzhorn Sammlung.